Terrata, auf den Spuren des Lichtshttps://www.bod.de/buchshop/terrata-johanna-wetterau-badura-9783749479566
Eine kleine Anmerkung: Wer Lust auf ein bisschen Fantasie hat, dieses Buch ist für Kinder ab 10 J. ( Literatur für jedes Alter), den lade ich herzlich dazu ein, hier ein bisschen reinzuschnuppern; möchtet Ihr aber wissen, wie Terratas friedlicher Kampf gegen eine scheinbar übermächtige Bedrohung ausgeht, dann könnt Ihr es gern als EBOOK oder auch in gebundener Version bestellen. Vielleicht lenkts ja auch ein bisschen ab? Herzlichst 🙂
Die schönen Illus sind von Sabine Marie Körfgen.

Kapitel 1
So begann es
Nacht legte sich über den Tag. Der Himmel war mit schweren, dunklen Wolken behangen; nicht ein einziger Stern war zu erkennen. Selbst der Mond schien sich im trüben Wolkendickicht verschanzt zu haben. Nur der Wind heulte durch die schwarzen Wälder, streifte mit unsichtbarer Hand über die in Wasser getränkten Wiesen und trieb die Wassermassen des Flusses über die Ufer.
Um nichts auf der Welt würde sich auch nur eine Menschenseele freiwillig in diese ungemütliche, raue Nacht hinauswagen, mit einer Ausnahme, es war Terrata. Doch sie war schließlich auch kein Mensch, sondern ein Wichtelmädchen aus dem Stamme der Aquaten.
Terrata war mittlerweile zwölf Jahre alt und exakt 30 Zentimeter groß, als sie die Erde erstmals mit ihren Füßen betrat. Für Wichtel ihres Stammes entspricht dies der Körpergröße eines ausgewachsenen Aquatenmädchens.
Einst lebte sie mit ihrer Familie in den unergründlichen Tiefen eines breiten und sich über viele Länder erstreckenden Flusses; doch geboren werden Aquaten grundsätzlich im Ozean.
Ganz genau in einer Austermuschel. So ähnlich wie aus Sandkörnern sich Perlen bilden, wurde aus Terrata keine Perle, sondern ein Wichtelkind, denn dies war ihre Bestimmung. Ihre Eltern behüteten die Austermuschel bis zum Tag der Geburt, damit sie auch unversehrt blieb.
Ganz anders als Menschenkinder, konnte sich Terrata sehr gut an ihre Geburt erinnern. Es war ein großes, überwältigendes Freudenfest. Die Austermuschel öffnete sich behutsam, fast im Zeitlupentempo. Rings um sie herum erklang eine sanfte, zauberhafte Melodie, die die Wichtel anstimmten. Es hieß, dass in ihr eine besondere Kraft liege.
Terrata sah um sich herum viele freundlich lächelnde Wichtel. Das vor Glück und Liebe strahlende Gesicht ihrer Eltern aber, brannte sich für den Rest ihres Lebens in ihr Herz.
Sie hatten alle herrlich smaragdgrün leuchtende Augen mit wunderschönen lang geschwungenen Wimpern. Ihre Haare reichten bis zu den Füßen und schimmerten in verschiedenen Farbtönen. Bei manchen hatte sich hier und da ein kleiner Fisch verfangen, doch er fand auch schnell da wieder hinaus. Die Wichtelmänner hatten an Händen und Füßen blaue Schwimmhäute und bei den Wichtelfrauen waren diese durchsichtig.
Ihre Körper hatten sie mit Rotala Macranda, einer rötlichen Wasserpflanze, bedeckt.
Auch Terrata sollte später genauso aussehen, nur war sie zunächst so klein wie eine Fingerkuppe, und sie unterschied sich in einem äußeren Merkmal ganz besonders. Sie hatte als einzige tief braune Augen.
Ihre Eltern brachten sie zum Stammesältesten, der Erasmus hieß. Ganz nach altem Brauch segnete er den Neuankömmling und bemerkte:
“Sie hat die Farbe der Erde in ihren Augen, möge dieses Aquatenmädchen uns allen ein großes Glück sein!”
Da klatschten alle lebhaften Beifall. Eben so, wie das Klatschen unter Wasser möglich ist. Auch viele andere Meeresbewohner waren vor Glück entzückt: Regenbogenfische führten ein Unterwasserballet auf, das wegen seiner Anmut unvergesslich blieb. Delphine machten ganz nach ihrer Art freudige Luftsprünge und Tintenfische ließen ihre Fangarme harmonisch zur Willkommensmelodie kreisen.
Doch schon bald nach dem freudigen Ereignis, kehrte Terratas Familie mit all den anderen Wichteln, in ihr eigentliches Zuhause, den Fluss zurück.
Dort verbrachte sie eine unbekümmerte Zeit bis zu jenem grauenvollen Zeitpunkt, der alles veränderte!
Ein dunkles, schweres und klebriges Wesen, das ständig seine Form veränderte, machte sich, wie ein riesiges, gieriges Monster im Fluss breit. Wer mit diesem in Berührung kam, wurde von ihm gefangen. Unzählige Wichtel gerieten in seine Fänge und niemand konnte es auch nur erahnen, wohin sie verschleppt wurden. Auch zahlreiche Freunde, mit denen Terrata sonst zwischen Schilfpflanzen und Seerosen Verstecken spielte, waren plötzlich nicht mehr da. Zum großen Unglück waren auch ihre Eltern spurlos verschwunden. Und niemand wusste, wen das Schicksal als nächstes ereilte. Terrata wollte alles dafür tun, um ihre Eltern und Freunde zu finden, doch noch war es nicht die Zeit dafür, dass sie mit dem mysteriösen Monster den Kampf aufnehmen konnte. Zum Trost hatte wenigstens Terratas liebste Freundin Jolanta, eine Wasserschildkröte, den Fängen des Monsters entgehen können. Besser gesagt, das Monster hatte an Wasserschildkröten kein großes Interesse. Jolanta aber sollte ihr schon bald eine wichtige Hilfe sein.
Da die übriggebliebenen Wichtel des Stammes völlig verzweifelt waren und weder ein noch aus wussten, versammelten sie sich eines Abends zu einer Krisenbesprechung.
“Wir müssen einen neuen Lebensraum finden”, sagte Erasmus.
“Wenn wir noch länger an diesem unsicheren Ort bleiben, wird das Ungeheuer uns alle gefangen nehmen. Und wer weiß, was dann mit uns geschieht? Selbst in den Ozean können wir nicht fliehen, da das Monster alle Wege versperrt hat. Es bezeichnet sich selbst als König aller Gewässer und es hasst uns! Leider können wir es nicht besiegen, da es einfach zu mächtig ist. Lasst uns Kontakt zu den Wichteln knüpfen, die auf der Erde leben. Die Erdwichtel sind mit uns verwandt, sie werden uns ganz bestimmt dabei helfen, ein neues Leben auf der Erde zu beginnen. Und wer weiß, vielleicht können sie uns sogar von der Erde aus helfen, alle unsere Lieben aus der Gefangenschaft des Monsters zu befreien? Die Welt ist voller Geheimnisse, Hoffnung und Wunder.”
Da Erasmus als Stammesältester niemals seinen Stamm verlassen durfte, bat er um Freiwillige, die die Lage auf der Erde prüfen und sich auf die Suche nach den Erdwichteln machen sollten.
Und so ergab es sich, dass Terrata sich als einzige dieser Aufgabe stellte:
“Ich werde es tun!”, rief sie aus.
“Nein, nein”, Erasmus währte ab, “du bist doch noch zu jung dafür, Terrata!”
“Zu jung?”, entgegnete sie. “Mein Herz wurde mir gebrochen, als ich noch zu jung dafür war! Mutter und Vater, all meine Freunde, sie sind weg, spurlos verschwunden! Die Ungewissheit plagt mich! Was ist mit ihnen? Leben sie noch? Was ist das für ein Leben?”
Die kleine Versammlung verstummte, keiner wagte sich in die eine noch in die andere Richtung zu äußern. Bis plötzlich Jolanta auftauchte und einwarf:
“Stimmt doch einfach darüber ab, wer dafür ist und wer dagegen, dass Terrata dieses Wagnis eingeht!”
“Wer dafür ist”, sagte Erasmus schließlich, “der hebe die Hand.”
Es war kaum zu glauben, doch es schossen alle Hände der kompletten kleinen Schar in die Höhe.
Erasmus nickte bedächtig, schaute in die Runde, breitete seine Arme aus und sprach:
“Seht, Terrata wird es wagen! Die heilige Kraft und Fülle des Lebens mögen dich immer beschützen!”
Alle Wichtel jubelten und weinten vor Freude, da sie wieder hoffen durften, hoffen, dass mit Terratas Mut ihr Leben gerettet wird. Jolanta, die Schildkröte, gesellte sich an die Seite ihrer Wichtelfreundin und zwinkerte ihr aufmunternd zu.