Kurze Anmerkung: Bei all den Schreckensnachrichten darf es auch mal eine Gutenacht-Geschichte sein. Ich wünsche allen eine gute Nacht und einen guten Start in die Woche. 🙂
In Traumlandstedten lebt Jose.
Jose ist Alptraumsammler von Beruf.
Nachts, wenn die Kirchturmuhr 12:00 Uhr schlägt, schlüpft Jose in seine Plüschpantoffeln, zieht sich seinen flauschigen Bademantel an, öffnet die Haustür ganz weit und wartet auf seinen Freund Silberlocke, den Kutscher.
Dieser kommt pünktlich zur Mitternachtszeit mit einem prächtigen Pferdegespann vom Himmel herabgesaust. Es ist so prächtig, wie es noch nie jemand mit seinen Augen gesehen hat!
Jose erkennt den Kutscher schon weit in der Ferne, weil er außer dem prächtigen Pferdegespann, prächtige Silberhaare hat, die im Mondlicht herrlich schimmern.
„Prrr“, ruft Kutscher Silberlocke und hält mit seinem Pferdegespann vor Joses Haustür.
„Guten Abend Jose“, grüßt der Kutscher, „hast du den weiten Alptraumsack schon vorbereitet?“
„Aber ja!“ antwortet Jose freudig. „Heut ist eine gute Nacht, um all den Bösewichten den Garaus zu machen!“
Damit meint Jose alle Alpträume, die sich nachts in die Wohnungen und Häuser der Menschen schleichen. Diesen bereitet er ein klares Ende!
Jose fängt sie sehr geschickt mit seinem weiten Alptraumsack ein. Dazu bekommt er natürlich Hilfe von seinem Freund.
Mit sportlichem Elan schwingt sich Jose samt Alptraumsack auf den Sitz neben Silberlocke und „juchhe!“ los geht die Fahrt durch den nächtlichen Himmel!
Jose spannt dabei den Alptraumsack ganz weit auf, hält ihn mit beiden Händen in die Höhe, so dass die ganzen üblen Alpträume da nur noch so reinplumpsen! Sobald Jose einen fängt, gibt er gleich den Namen des Alptraums in seinem Notebook ein. Schließlich braucht er eine Übersicht, welche und wie viele er da schon mit Silberlockes Hilfe, eingefangen hat.
Da gibt es z.B. die Brüllträume, die mit lautem Gebrüll die Leute aus dem Schlaf reißen. Im Alptraumsack dagegen, sind sie so piepsig, wie kleine Küken. Darin gefangen, kommen sie nicht mehr heraus.
Dann gibt es die Fallträume, die die Leute aus dem Schlaf rütteln. Sie gaukeln den Leuten vor, dass sie von irgendwo herunterfallen. Diese sind im Alptraumsack so zahm, wie scheue Kaninchen. Sie können niemanden mehr stören.
Und dann gibt es noch die üblen Burschen von Alpträumen, die den Leuten vormachen, dass jemand hinter ihnen her ist. Diese werden im Alptraumsack so klein, wie Kekskrümmel und damit völlig bedeutungslos!
Wenn es dann allmählich dämmert, weiß Jose, dass es Zeit ist, wieder heimzukehren. Sein Freund, der Kutscher Silberlocke, hält pünktlich um 5:00 Uhr in der Früh vor Joses Haus. Müde, aber zufrieden mit seinem nächtlichen Werk, legt sich Jose in sein warmes Kuschelbett.
Hier und da mag es noch so manchen Alptraumhallunken geben, doch nach einer solch wilden, nächtlichen Alptraumjagd von Jose und Kutscher Silberlocke, verschwinden sie in ihren schmuddeligen Verstecken und wagen sich nicht mehr hinaus.
©lyrikjo